Maria, Königin des Friedens - St. Jakobus maj.

Predigt am Fronleichnamstag

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche,

„Liebe geht durch den Magen!“ Ein gutes Essen ist ein Zeichen der Liebe und der Wertschätzung. Bei einem solchen Essen geht es dann nicht nur um die Nahrungsaufnahme. Es geht vielmehr auch um Gemeinschaft, um Zuneigung und um Beziehung. Wir Menschen zeigen einander, dass wir uns gegenseitig schmecken können.

„Liebe geht durch den Magen!“

Immer wieder darf ich es z.B. bei Trauergesprächen hören: Unsere Mama oder unsere Oma hat so gut gebacken und gekocht. Da sind wir so gerne zusammengekommen. Und natürlich dürfen wir da auch die Opas und Papas nicht vergessen, weil wir Männer mitunter ja auch ganz gut kochen und backen können. Ein gutes Essen führt Menschen zusammen und stärkt ihre Beziehung zueinander.

Die Bibel ist voller Essensgeschichten. Immer wieder halten Menschen miteinander Mahl. Dieses Mahl-halten ist mehr als nur Nahrungsaufnahme. Menschen teilen miteinander das Mahl und  sie  teilen miteinander das Leben. Gerade im Brot-Teilen kommt das zum Ausdruck. Brot miteinander zu teilen, das bedeutet, miteinander in Beziehung zu sein und Gemeinschaft zu pflegen. Die Menschen essen miteinander das Brot der Freude aber auch das Brot der Tränen. Sie teilen so die frohen und traurigen Stunden ihres Lebens.

Jesus war kein Kostverächter und hat gerne Mahl gehalten – insbesondre auch mit den Kleinen, den Verachteten und den Sündern. Er wollte ihnen dadurch zeigen, dass Gott zu ihnen gut ist. Liebe, Zuneigung und auch Barmherzigkeit gehen eben durch den Magen. Beim letzten Abendmahl findet das einen Höhepunkt. Jesus möchte eine ganz tiefe Beziehung zu seinen Jüngern und damit auch zu uns aufnehmen. Deshalb schenkt er uns seine Gegenwart unter den Gestalten von Brot und Wein. Jesus selber ist das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Er möchte unseren Hunger und Durst nach Gott stillen (vgl. Joh 6). Immer wieder lädt er uns dazu ein, mit ihm Mahl zu halten.

„Liebe geht durch den Magen!“

Dieses Wort könnten wir auch als Motto über Fonleichnam schreiben. Wir dürfen jetzt das Mahl mit Jesus feiern und ihn in der Gestalt des Brotes empfangen. Dadurch werden wir in der Beziehung zu Jesus und in der Beziehung zueinander gestärkt: „Denn wir alle haben teil an dem einen Brot“ (1 Kor 10,17). Wir alle haben teil an Christus! Nach der Eucharistiefeier tragen wir Christus in der Gestalt des Brotes durch unsere Stadt. Wir dürfen auf Jesus schauen, uns von ihm auf dem Weg begleiten lassen, ihn anbeten und ihn um seinen Segen bitten. Wir zeigen dadurch auch, dass die Beziehung zu Jesus wohltuend und gut ist.  Denn Glaube und Kirche dürfen den Menschen nicht auf den Magen schlagen oder ihnen den Magen gar umdrehen. Der Glaube an Jesus soll dem Menschen an Leib und Seele gut tun.

Liebe Kinder und Jugendliche, liebe Schwestern und Brüder! Wir dürfen genussvoll und in Freude Gottesdienst feiern. Wir dürfen auch außerhalb der Kirche genießbar miteinander umgehen. So können wir auch heute anderen Menschen Geschmack am Glauben machen.

Amen.

Pfarrer Ralf Gössl