Maria, Königin des Friedens - St. Jakobus maj.

Predigt zum Pfingstfest

„Bauprojekt Kirche“

Liebe Schwestern und Brüder!

Es gibt Bauprojekte, die ewig nicht fertig werden. Ein Beispiel dafür ist der Flughafen in Berlin. Immer wieder muss der Eröffnungstermin verschoben werden. Im Vergleich dazu hat die Fertigstellung mancher kirchlichen Bauprojekte noch viel länger gedauert. Im Jahr 1506 wurde der Grundstein für die neue Peterskirche in Rom gelegt. Erst 120 Jahre später – 1626 konnte sie eingeweiht werden. Am Kölner Dom hat man sogar 632 Jahre lang gebaut. Und wer nach Köln kommt, wird den Dom nie ohne Gerüst sehen. Er ist und bleibt eine Baustelle.

Pfingsten ist der Beginn des Bauprojektes, das sich Kirche nennt. Natürlich wurde damals noch nicht an einem konkreten Kirchengebäude gebaut. Die gab es noch nicht. Man hat in den Häusern das Brot gebrochen (vgl. Apg 2,46).  Aber die ersten Christen haben damit begonnen, an der Kirche aus lebendigen Steinen (vgl. 1 Petr 2,5) zu bauen. Und dazu gab es die Initialzündung durch den Heiligen Geist an Pfingsten. Diese Kirche aus lebendigen Steinen wird letztendlich nie ganz fertig. Die Menschen aller Jahrhunderte bauen daran. Erst dann, – wenn der Herr einst wiederkommt, – wird dieses Bauprojekt fertig. Er selber wird das Bruchstückhafte vollenden und die Baufehler korrigieren.

Was aber ist wichtig für dieses Bauprojekt Kirche? Was bewirkt der Heilige Geist?

  • Zunächst einmal bewirkt der Heilige Geist, dass die Kirche ein sehr vielfältiges und lebendiges Gebäude ist! Am Pfingstfest waren die Apostel, die ganz unterschiedliche Menschen gewesen sind, am gleichen Ort beieinander (vgl. Apg 2,1). Und dann kommen noch die ganzen Völker dazu, denen die Apostel in Jerusalem das Evangelium verkündet haben (vgl. Apg 2, 6-11). Der Heilige Geist ist die Kraft, die alle diese unterschiedlichen Menschen, Völker und Sprachen zusammenführt und zusammenhält. Die Kirche darf nicht zum öden Plattenbau werden. Sie muss ein Mehrgenerationenhaus für ganz verschiedene Menschen sein. Diese unterschiedlichsten Menschen haben im Haus der Kirche ihren Platz. Wir werden alle gebraucht und dürfen unsere vielfältigen Begabungen einsetzen. Diese Vielfalt soll dabei helfen, dass alle sich gegenseitig ergänzen und unterstützen. Und das Evangelium kann so auch in den unterschiedlichsten Farben in unsere Welt hineinleuchten.
  • Dann bewirkt der Heilige Geist, dass alle in diesem Gebäude eine gemeinsame Mitte haben! Diese Mitte ist Jesus Christus! Der Heilige Geist ist die Kraft, die uns mit Christus verbindet. Trotz unserer Verschiedenheit leben wir nicht einfach nebeneinander oder sogar gegeneinander. Wir werden geeint und zusammengehalten durch Jesus. „Jesus trat in ihre Mitte… Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen“ (Joh 20, 19f). So haben wir es im Evangelium gehört.  Das ist eine Kurzformel für die Kirche: „Jesus in der Mitte als Grund zur Freude“. Und das bleibt ein bleibender Auftrag im Haus der Kirche, dass alle nicht beliebig an diesem Haus bauen. Der Bauherr ist Jesus und der Bauplan ist das Evangelium. Der Heilige Geist ist der Lebensraum, in dem wir Jesus begegnen und die Frohe Botschaft hören. Er umgibt uns, wie die Luft, die wir atmen.
  • Schließlich sorgt der Heilige Geist für diese Frischluft im Gebäude! Ohne Frischluft wird es in einem Haus stickig und Schimmel kann sich ansetzen. Im Evangelium haben wir heute gehört, dass Jesus seine Jünger anhaucht und ihnen den Heiligen Geist schenkt (vgl. Joh 20, 22). Dieser Hauch, dieser Atem ist für die Kirche lebenswichtig! Deshalb braucht dieses Haus der Kirche Fenster und Türen, die sich immer wieder öffnen lassen. Zunächst braucht man die Frischluft, um selber aufatmen und aufschnaufen zu können. „Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete“ so heißt es in einem Kirchenlied (vgl. Gl. 422). Das Gebet lässt uns aufatmen und einatmen.  Dann brauchen wir diese offenen Fenster und Türen, um die Anliegen und Sorgen der Menschen ins Haus der Kirche zu lassen. Schließlich sollen wir nicht abgeschieden von der Welt leben: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi“ – so sagt es das II Vatikanische Konzil (Gaudium et spes). Und schließlich müssen die Fenster und Türen der Kirche aufgehen, damit die Kirche ihre Sendung erfüllen kann, den Menschen die Frohe Botschaft zu verkünden und ihnen im Namen Jesu zu dienen. „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich Euch“ (Joh 20,21). Diese Berufung hat uns Jesus in Taufe und Firmung geschenkt. Diese Sendung können wir dort, wo wir leben, in die Tat umsetzen.

Liebe Schwestern und Brüder lassen wir uns durch Pfingsten ermutigen und bleiben wir dran am Bauprojekt Kirche! Vertrauen wir dabei aber auch auf die Kraft des Heiligen Geistes!

Ich möchte mit einem Gebet schließen:

Komm Heiliger Geist!

Du schenkst Einheit in der Vielfalt.

Du verbindest uns mit Jesus und erinnerst uns an die Frohe Botschaft.

Du schenkst uns Zeiten des Aufatmens im Gebet.

Komm, Heiliger Geist!

Ermutige uns, weiter an der Kirche zu bauen und uns dabei gegenseitig zu ergänzen.

Vertiefe unsere Liebe zu Jesus und unsere Freude am Evangelium.

Schenke der ganzen Kirche die frische Brise deiner Nähe.

Komm, Heiliger Geist!

Lass es Pfingsten werden – in der Kirche, in der Welt,  in unserer Gemeinde und in unseren Herzen.

 Amen.

Pfarrer Ralf Gössl