Maria, Königin des Friedens - St. Jakobus maj.

„Sämann des Wortes“ – Predigt beim Pfarrfest

Liebe Kinder und Jugendliche, liebe Schwestern und Brüder!

Um Gersthofen herum gibt es viele Äcker. Ich selber bin gerne in der Natur unterwegs. Dabei beeindrucken mich die großen Getreidefelder. Es ist einfach schön, von Woche zu Woche zu sehen, wie alles langsam wächst. Dabei staune ich besonders über die Macht, die in der Natur und auch in einem kleinen Samenkorn wirkt.

 Worte haben auch eine große Macht. Worte können viel bewirken. Worte sind wie Samenkörner, die weiter wachsen. Euch Kindern tut es doch gut, wenn jemand sagt: „Das hast du gut gemacht.“ Besonders schön ist es, wenn die Eltern oder die Großeltern zu dir sagen: „Ich habe dich lieb.“ Auch uns Erwachsenen tun solche Worte gut. Da kommt etwas zum Blühen auf dem Acker unseres Lebens. Und umgekehrt wissen wir auch, was böse Worte anrichten können. Verletzungen und Herabsetzungen durch Worte können uns oft ein Leben lang verfolgen. Sie sind wie Unkraut, das unseren Lebensacker vergiftet.

Worte haben eine große Macht. Das haben wir heute auch beim Propheten Jesaja gehört. Das Wort kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe (vgl. Jes 55, 11). Im Johannesevangelium lesen wir: „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1, 14). Jesus ist dieses Wort Gottes in Person. In seinen Worten hören wir Gottes Wort an uns. Er ist – um es im Bild des heutigen Evangeliums zu sagen – wie ein Sämann des Wortes Gottes. In einer unvergleichlichen Großzügigkeit streut er den Samen des Wortes Gottes aus. (vgl. Mt 13, 1-9). Dieses Wort Gottes hat Macht – wenn es, so muss man ergänzen – in gutes Erdreich fällt und wächst. Das ist also unsere Aufgabe: Aufnahmebereit zu sein für das Wort Gottes. Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren täglich mit dem Wort Gottes. Das mache ich nicht nur, weil ich Priester bin und am Sonntag möglichst anständig predigen soll. Ich tu das vielmehr auch deshalb, weil es mir persönlich gut tut. Deshalb versuche ich jeden Tag ein kleines Samenkorn aus dem Körnerreichtum des Wortes Gottes mitzunehmen und in mir wachsen zu lassen. Diese Anregung möchte ich an Sie und an Euch weitergeben. Bei jedem Sonntagsgottesdienst hören wir die Lesungen und das Evangelium, die Frohe Botschaft. Hören wir doch ganz aufmerksam hin und nehmen wir ein kleines Samenkorn aus dem Wort Gottes mit in die neue Woche. Vielleicht nur ein Wort oder einen kurzen Satz. Denken wir immer wieder über dieses Wort nach. Lesen wir es daheim nochmal nach. Lassen wir dieses kleine Samenkorn des Wortes Gottes in den Ackerboden unseres Herzens fallen und wachsen. Wir werden spüren, dass das gut tut. Das Wort Gottes entfaltet eine wohltuende Macht.

Liebe Schwestern und Brüder, wir erleben in unserer Welt leider eine Radikalisierung der Worte. Manche Kommentare auf Facebook lassen einem den Schauer über den Rücken laufen. Und was manche sich wichtig fühlende Personen über Twitter absondern, ist unterste Schublade. Wir brauchen heute eine Heilung der Worte, damit unsere Welt wieder heiler werden kann. Und das beginnt nicht erst auf Facebook oder Twitter, das beginnt in den ganz normalen Begegnungen zwischen uns Menschen. Wir sind doch alle Säfrauen und Sämänner des Wortes. Auch unsere Worte haben Macht. Deshalb kommt es sehr darauf an, was wir einander sagen und wie wir es sagen. Und es kommt auch darauf an, welchen Worten wir Macht über uns geben, welche Worte wir im Acker unseres Herzens weiter wachsen lassen. Wie gut tut es doch unseren Kindern und Jugendlichen, wenn sie möglichst viel Anerkennung und Ermutigung erfahren dürfen. Wie gut tut es uns allen, wenn wir uns gegenseitig mit guten Worten segnen. Und wie wichtig ist es doch auch, wenn wir bei Meinungsverschiedenheiten sachlich und ruhig miteinander sprechen. Wir sind Säfrauen und Sämänner des Wortes. Auch die Samenkörner unserer Worte wachsen weiter. Das Wort Gottes beginnt auch durch unsere Worte zu wachsen.

Das Pfarrfest ist für mich eine gute Gelegenheit, um Euch und Ihnen einige gute Worte zu schenken.  Von Herzen möchte ich allen danken, die ihren Beitrag leisten, dass in unserer Pfarreiengemeinschaft viel Gutes wachsen kann. Ich danke Euch, den Kindern und Jugendlichen – besonders auch Euch Minis! Ich danke allen, die in unseren Kirchen die Gottesdienste mitfeiern und mitgestalten. Ich danke den Leuten in den Gremien und Arbeitskreisen. Ich danke allen, die sich im sozialen Bereich einsetzen, die in den unterschiedlichsten Bereichen für ihre Mitmenschen da sind. Und nicht zuletzt danke ich allen, die unsere Pfarreiengemeinschaft  im Gebet mittragen. Vergelt’s Gott allen Ehren- und Hauptamtlichen! Durch Euch, die Kinder und Jugendlichen – und durch Sie, die Erwachsenen, geschieht soviel Gutes. Das alles kann wachsen und Frucht bringen.

Liebe Kinder und Jugendliche, liebe Schwestern und Brüder! Worte haben eine große Macht. Worte können viel bewirken. Unsere Pfarreiengemeinschaft ist wie ein großer Acker. Jesus, der Sämann des Wortes Gottes, geht auch heute über diesen Acker. Großzügig streut er die Samenkörner des Wortes Gottes aus. Dieses Wort wächst und bringt Frucht – in uns und auch durch uns.

Amen.

Pfarrer Ralf Gössl