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Spirituelle Angebote
Der Sinn der Stille
„Halt an, wo läufst du hin, der Himmel ist in dir,
suchst du ihn anderswo, fehlst du ihn für und für...“
Dieser Gedanke des Mystikers Angelus Silesius zeigt sich heute aktueller denn je: Unser Alltag ist von vielfältigen Verpflichtungen geprägt. Je mehr wir zu tun haben, umso bedeutsamer scheinen wir für unsere Gesellschaft zu sein. So eilen wir von Termin zu Termin, von Aufgabe zu Aufgabe, und wenn wir abends zur Ruhe kommen wollen, können wir es nicht, weil in unserem Kopf die Gedanken weiterschwirren. Auch wir sind bisweilen verloren, verängstigt, unfähig, uns selbst zu beruhigen. Wir können nur noch schwer „abschalten“ oder einfach „nichts tun“, „still“ sein. Unsere aufgescheuchten Gedanken lassen sich mit dem Sturm vergleichen, der das Boot der Jünger auf dem Meer von Galiläa erfaßt, während Jesus schläft.
Wenn wir uns so fühlen, spüren wir in uns eine große Sehnsucht nach Ruhe, Stille und innerem Frieden. Wir brauchen eine „Auszeit“ für unsen Körper, unsere Seele und unsen Geist, um wieder auftanken zu können.
Wir haben die Erkenntnis, dass wir die Stille suchen müssen, immer wieder neu, in Gemeinschaft und für uns alleine.
Gelegenheit dazu gibt es mehr, als wir denken, wie z.B. unterestützende Angebote unserer Pfarreiengemeinschaft: Gottesdienste, Andachten und andere spirituelle Angebote. Bei unserem Taize´-Gebet in Gersthofen beispielsweise halten wir mitten im gemeinsamen Gebet eine lange Stillezeit. Diese bietet eine einzigartige Gelegenheit, Gott zu begegnen. Je mehr wir in die stille Begegnung mit Gott hineinfinden, erleben wir: Gelassene Gemeinschaft mit Gott kann ohne Worte auskommen. Dann bedarf das Gebet keiner Worte, ja nicht einmal eines Gedankens. Wir begegnen Gott auf neue Weise und er begegnet uns – bis in die verborgenen Winkel unseres Herzens hinein. Wenn wir Stille halten, verstecken wir uns nicht länger vor Gott, und das Licht Christi kann selbst das erreichen, heilen und verwandeln, was wir so gerne vergessen und verdrängen. Stille in Gemeinschaft hat dabei eine besondere Qualität und wirkt kraftvoll auf unser Leben.
Auch im Alltag kann man zu innerer Stille gelangen. Es erfordert allerdings Übung, damit die Seele zum Frieden finden kann: „Stille erfahren“ heißt: erkennen, dass ich nicht viel ausrichten kann, wenn ich mir Sorgen mache. „Stille halten“ heißt: Gott überlassen, was außerhalb meiner Reichweite und meiner Fähigkeiten liegt. „Still sein“ kann ich überall: Kasse vom Supermarkt, an der roten Ampel, im Wartezimmer, in der Natur. Ich kann ein paar Minuten lang bewusst ruhig werden im raschen Fluss des Alltags und meine Antennen wieder neu auf Gott hin ausrichten. Selbst ein ganz kurzer Augenblick der Stille ist wie eine Sabbatruhe, ein heiliges Innehalten, eine Bresche in die Sorgenmauer.
Wir brauchen die Stille, um auf Gott zu hören und sein Gebot der Liebe in die Tat umzusetzen. Wenn wir aufgescheucht und beunruhigt sind, haben wir beliebig viele Argumente und Gründe, nicht ohne weiteres zu verzeihen und zu lieben. Wenn wir aber „unsere Seele in Frieden und Stille“ bewahren, verflüchtigen sich diese Gründe. Unmerklich, aber unaufhaltsam führt die Stille uns dazu, das in die Tat umzusetzen, was wir in unserem Herzen als richtig erkennen.
So ist zum Beispiel Psalm 131 ganz von Ruhe und Vertrauen erfüllt:
„Ich ließ meine Seele ruhig werden und still … Hoffe auf den Herrn von nun an bis in Ewigkeit!“