Maria, Königin des Friedens - St. Jakobus maj.

Kirchen und Räume

ein bemerkenswerter Kirchenbau des 20. Jahrhunderts

von Werner Mühlbauer

mkdf-klein-201-2009Zu finden:
in Gersthofen, wo sich Schubertstraße und Johannesstraße treffen.

Geplant von Hermann Öttl und ausgeführt durch die Fa. Eierle wurde die Kirche am 6. Oktober 1968 von Bischof Dr. Josef Stimpfle geweiht.

Zusammen mit Schulen, Musikschule, Kindergarten, Sportanlagen gibt sie dem „Kulturzentrum“ im Süden der Stadt ein besonderes Gepräge. Sie bildet einen städtebaulichen Schwerpunkt sowohl durch die Wirkung ihrer Silhouette zur Autobahn hin als auch innerörtlich: Der markante Turm ist der Fluchtpunkt, auf den die Schubertstraße von Norden her zuläuft.

Das Baukonzept basiert auf der Grundform des Quadrates, das sich vielfach findet: Grundfläche der Kirche, Grundfläche des Daches (in 45°-Drehung aufgesetzt), Grundriss des Turmes, Pflasterung des Vorplatzes einschließlich Brunnen.

Die weiße Westfassade erzeugt, besonders im sommerlichen Sonnenlicht, ein süd-liches Flair. Der Baukörper mit dem deutlich hervortretenden Dach erinnert an die Form eines Schiffes (Kirche als „Schiff Petri“).

Der Innenraum überrascht beim Betreten durch die offene Ostwand, die das Licht der Sonne einlässt und dadurch vor allem den sonntäglichen Gottesdiensten eine besondere Stimmung verleiht.

Der Raum verbindet die Wirkung einer Halle, in der sich die Gemeinde versammelt, mit dämmrigen Nischen, in die sich ein stiller Beter zurückziehen kann; einer dieser seitlichen Räume dient als Taufkapelle.

Die nüchterne Gestaltung mit weißer Farbe und – teilweise bemaltem – Sichtbeton entspricht dem Lebensgefühl unserer Zeit.

Zum theologischen Konzept

Raumordnung und Anordnung der Einrichtungsgegenstände erfüllen in besonderem Maße die Erfordernisse des 2. Vatikanischen Konzils für die Liturgie. Die quadratische Grundfläche ermöglicht es, dass sich die Gemeinde zur Feier der Eucharistie um Altar und Ambo versammeln kann. Beide zusammen bilden das Zentrum des Geschehens bei der Messfeier: der Tisch des Wortes und der Tisch des Brotes. Die geringe Erhebung von Ambo und Altar über die Gemeinde betont das

In-der-Mitte-Sein von Wort und Eucharistie. Die halbkreisförmig angeordneten Stühle führen die Gottesdienstbesucher – bei Kommunionfesten oder beim sog. „großen Dienst“, bei dem früher immer eine große Zahl von Ministrant(inn)en einen Kreis um den Altar bildete, besonders die Kinder – ganz nahe an die heiligen Geheimnisse heran. Die menschlichen Gestalten an der Altarrückwand deuten das Himmlische Jerusalem an, die Heiligen, die mit uns Gottesdienst feiern.

Das moderne Kreuz an der Stirnwand gehört nicht zum ursprünglichen Konzept der Kirche. Es wurde angebracht; um dem Auge einen Zielpunkt, der vorher gefehlt habe, anzubieten.

Der Raum eignet sich auch für Prozessionen, z. B. umschritt früher der Priester mit dem liturgischen Dienst am Palmsonntag die Gemeinde.

Ein besonderer liturgischer Brauch war immer das Osterfeuer, entzündet vor dem Altar in einer Metallschale.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet das Ensemble bestehend aus Kreuz, Osterkerze, barocke Marienfigur. Das Kreuz, gefertigt von dem Gersthofer Alfred Demharter, erinnert an Antennen, die sich in alle Richtungen erstrecken. Die Madonna, aus keiner katholischen Kirche wegzudenken, entspricht der Namensgebung der Kirche.

Der Tabernakel, ein transparentes und doch den Inhalt (ver-)bergendes grünes „Kästchen“ („des greane Kastl“, wie ein öfter anwesender oberbayerischer Besucher liebevoll zu sagen pflegte), beleuchtet durch Tageslicht von oben, ist geeignet, etwas vom verborgenen und doch gegenwärtigen Mysterium Christi in der Eucharistie sichtbar zu machen.

Der etwas ins Dunkle zurückgesetzte Kreuzweg, von Reinhold Grübl markant und eigenwillig gestaltet, will mit seinem bewusst rissig ausgeführten Putz das Leiden Christi spürbar nahebringen.

Der Orgelprospekt, entworfen von Hermann Öttl nach dem Grundsatz „Ausgewogen¬heit durch Asymmetrie“, passt sich mit seinen Formen der Dachkonstruktion an. Die Akustik des Raumes bringt die bezüglich ihrer Größe eher bescheidene Orgel (22 Register) wie auch den Gesang von Chor, Schola und Kantor gut zur Geltung.

Drei nicht gestrichene Bretter an der Decke können als Symbol für das Unfertige allen menschlichen Tuns gedeutet werden.

Die sieben Glocken tragen die Namen von Christen beider Konfessionen, die im vergangenen Jahrhundert ihr Leben gaben für Frieden und Freiheit und Menschen¬würde: Alfred Delp, Rupert Mayer, Dag Hammarskjöld, Geschwister Scholl, Dietrich Bonhoeffer, Martin Luther King, Folke Bernadotte (Reihenfolge der Größe nach).

Der Name Johannesstraße nimmt Bezug auf Papst Johannes XXIII. Das von ihm einberufene 2. Vatikanische Konzil machte durch seine Liturgiereform Kirchenbauten dieser Art erst notwendig und möglich.

Alle diese Namen stehen für das, was Christsein in unserer Zeit bedeuten kann und muss.

Die Kirche Maria, Königin des Friedens ist ein lichter, offener Raum, gestaltet nach einem bis ins Detail stimmigen in sich geschlossenen Konzept; ein Ort der Begegnung, in hervorragender Weise geeignet für gottesdienstliche Versammlungen, ebenso für Konzerte oder auch – etwa in der Taufkapelle – Ausstellungen. Für Menschen von mehr als einer Generation bedeutet dieses Gotteshaus religiöse Heimat. Ihr Glaubensleben wurde durch diesen Raum maßgeblich geprägt.

Es ist zu wünschen, dass dieses Bauwerk weiterhin durch lebendige Gottesdienste Anstöße und Kraft für ein christliches Leben vermittelt.

Außenansicht

Außenansicht

Zu finden:
am Kirchplatz in Gersthofen.

Römerzeit: Errichtung eines Merkurheiligtums an der Via Claudia – Überreste dieses Tempels wurden beim Kirchenumbau 1854 entdeckt

Mittelalter: Im 8./9. Jahrhundert wurde an der Stelle des Merkurtempels vermutlich ein hölzernes Kirchlein als Eigenkirche des Germanen Gerfred errichtet. Gerfredshova ist im Jahr 969 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Der erste steinerne Kirchenbau entstand im 12. Jahrhundert im romanischen Stil. Das Patrozinium St. Jakobus könnte bis in das 10. Jahrhundert zurückreichen.
Neuzeit: Umbau und Erneuerung der Kirche 1620 und 1670/71. Im Zuge dieser Baumaßnahmen dürfte die Barockisierung der Innenausstattung begonnen haben. Aufgrund des Wachstums der Pfarrei wird der Kirchenraum mehrere Male vergrößert. ebenso ist der Kirchturm Gegenstand von Ausbesserungen und Veränderungen. 1854 wurde die zu klein gewordene Kirche mit Ausnahme des Turms abgebrochen. Der neuromanische Neubau wurde zehn Jahre später, 1864, eingeweiht.
1924/25 wurde die Kirche noch einmal grundlegend umgebaut. Der Kirchturm wurde abgetragen und an der Südseite des Langhauses neu errichtet. Der Innenraum erfuhr 1928 eine Neugestaltung, die jedoch „nie das Gefallen der Pfarrangehörigen“ fand. Ab 1939 wurde in zwei Jahren der Inneraum neu gestaltet und erhielt seine gegenwärtige Form.
Im Frühjahr 1966 wurde der Innenraum renoviert und der Kirchenraum behutsam an die liturgische Reform des Zweiten Vatikanischen Konzils angepasst.
1984 wurde die Ulrichskapelle an die Kirche angebaut.
1989 gestaltet der Augsburger Professor Georg Bernhard die Decke mit Jakobsdarstellungen aus dem Alten und Neuen Testament.

Im Jahre 2011 fand eine Innenrenovierung statt. Dabei wurde der Kirchenraum frisch gestrichen, die Figuren wurden gereinigt und der Priestersitz wurde – mit Verwendung der zum Altar passenden Sedilien – neu gestaltet.

Zu finden:
in Gersthofen zwischen Augsburger Straße und Kappellenstraße, Einmündung Griesstraße.

Die Stadt Gersthofen, der diese Kapelle gehört hat vor einigen Jahren eine gründliche Renovierung durchgeführt. Seither wird auch hier wieder regelmäßtg Gottesdienst gefeiert.

Die Emmeramskapelle: 1604 erstmals urkundlich erwähnt und durch das Lechhochwasser von 1714 zerstört; 1725 Neubau am jetzigen Ort 1730 von Weihbischof Johann Jakob Mayr geweiht. Im Türmchen hängt die älteste Glocke Gersthofens. Ein Gemälde von 1671 erinnert an das Martyrium des hl. Emmeram. Langhausfresken von Georg Kultruff aus dem Jahre 1926.

Gemeinsam mit Korbinian von Freising zählt Emmeram zu den großen Missionsbischöfen des 7. und frühen 8. Jahrhunderts in Bayern. Mit dem Auftreten Emmerams beginnt ein zweiter wichtiger Abschnitt in der Christianisierung Bayerns. Zur gleichen Zeit wurden die Bistümer durch Bonifatius organisiert. Gefördert wurde diese Entwicklung durch die bayrische Herzogsfamilie der Agilolfinger.

Um 650 kam Emmeram – der zuvor Bischof im südfranzösischen Poitiers war – auf einer Missionsreise nach Regensburg. Dort blieb er als Bischof.

Etwa drei Jahre nach seiner Ankunft in Regensburg vertraute sich Uta – die Tochter des Herzogs – Emmeram an. Sie bekam nämlich ein uneheliches Kind. Emmeram wollte die Herzogstochter zusammen mit dem Vater des unehelichen Kindes schützen. Deshalb nahm er die Schuld auf sich. Er riet der Herzogstochter, ihn als den Vater des Kindes auszugeben. Gleichzeitig flüchtete er nach Rom. Um die Ehre seiner Schwester zu retten, verfolgte der Bruder der Herzogstochter Emmeram. In der Nähe von München fasste er Emmeram. Er ließ Emmeram auf eine Leiter binden und foltern, indem er ihm die Gliedmaßen abhacken ließ. Sie sehen dieses Martyrium des hl. Emmeram auf dem alten Altarbild und im vorderen Deckenfresko. Schließlich starb Emmeram wegen seiner schweren Verletzungen. Von seinen Begleitern wurde Emmeram in der Kirche in Aschheim beigesetzt. Nach dem Begräbnis setzte – der Legende nach – ein vierzigtägiger Regen ein. Dieser Regen wurde so gedeutet, dass Emmeram in seiner Bischofsstadt Regensburg beigesetzt werden wollte. Deshalb wurde sein Leichnam nach Regensburg überführt, wo er im späteren Kloster St. Emmeram seine letzte Ruhe fand. Diese Überführung des Leichnams ist auch im Deckenfresko dargestellt. Der vierzigtägige Regen, der nach der Überführung nach Regensburg aufhörte, ist der Grund, dass Emmeram als Patron gegen Hochwasser verehrt wird. Aus diesem Grund wurde auch bei uns in Gersthofen die Emmeramskapelle gebaut. Die Menschen riefen Emmeram an als Patron gegen die Gefahren, die vom nahen Lech ausgingen.

In jüngerer Zeit konnte die Wissenschaft die geschichtliche Wahrheit des Martyriums des hl. Emmeram bestätigen. Die Gebeine, die in St. Emmeram in Regensburg verehrt werden, zeigen Spuren großer Misshandlungen.

Emmeram hat in unserer Heimat den christlichen Glauben verkündet und bezeugt. Außerdem war er bereit, fremde Schuld auf sich zu nehmen. So steht er in der unmittelbaren Nachfolge Jesu. Im Deckenfresko ist er als Fürsprecher bei Gott dargestellt. Wir dürfen ihn auch darum bitten, dass er bei Gott für uns und für alle Menschen in unserer Stadt Gersthofen betet.

Zu finden:
Am Kirchplatz hinter St. Jakobus.

Parkmöglichkeiten gibt es in der Tiefgarage mit Zufahrt über die Dr.-Muser-Straße.
Neben den beiden großen Kirchen sind auch die Versammlungsräume der Pfarreiengemeinschaft mit die wichtigsten Gebäude. In der Pfarrei St. Jakobus ist dies das „Pfarrzentrum Oscar Romero“. Es wurde 1998 erbaut und erhielt den Namen des Bischofs und Märtyrers aus El Salvador.

Das Haus bietet einen großen Versammlungs- und Veranstaltungssaal, sowie einige kleinere Tagungsräume. Im südlichen Teil – der Kinder-Arche – sind Räume speziell für Kindergruppen eingerichtet. Die Jugend der Pfarrei hat ihren Treffpunkt im unteren Stockwerk mit dem Eingang von der Ostseite aus.

Unterhalb der Pfarrkirche Maria, königin des Friedens befindet sich die Johannesstube.