Maria, Königin des Friedens - St. Jakobus maj.

Predigt beim Jubiläum 90 Jahre Kolpingsfamilie Gersthofen

Liebe Mitglieder unserer Kolpingsfamilie, liebe Schwestern und Brüder im Herrn, liebe Kinder und Jugendliche!

 „90 Jahre Kolpingsfamilie Gersthofen – und morgen…?“ So steht es auf der Einladung zum heutigen Fest. „90 Jahre Kolpingsfamilie Gersthofen – und morgen…?“ Auf der einen Seite der Grund unserer Feier. Auf der anderen Seite ein Frage, die in die Zukunft weist. Mir ist das Fragezeichen ganz besonders ins Auge gefallen. „Und morgen?“ – Das bedeutet – wie wird es weitergehen?

  • Wir wissen heute in vielen Bereichen nicht genau, wie es weitergehen wird. Das ist  im politischen Bereich so. Es gibt so viele ungelöste Probleme in unserem Land und  in unserer Welt. Das ist aber auch im religiösen Bereich so. Wie wird es weitergehen mit unserer Kirche? Vieles, was altvertraut ist, bricht weg und neues ist noch nicht so recht in Sicht.  Das Fragezeichen gehört aber auch zu unserem persönlichen Leben. Wie oft blicken wir in unserem Leben nicht mehr durch?  Wir sind da nah dran am Volk Israel, von dem wir in der Lesung gehört haben. Das Volk hatte die Zeit des Exils in Babylon hinter sich. Daheim angekommen fand man vieles zerstört vor: Der Tempel und die Stadt Jerusalem mussten wieder aufgebaut werden. Das öffentliche und religiöse Leben brauchte wieder eine Ordnung. Es gab in dieser Zeit nur wenig Orientierung. Vieles ging durcheinander. Keiner wusste so recht, wie es nun weitergehen solle. – Nun sollte es Gott richten. Deshalb schrie man zu ihm… „Reiß doch den Himmel auf und komm herab.“ – Passt dieser Ruf nicht auch sehr gut in unsere Zeit? „Reiß doch den Himmel auf und komm herab.“ Vielleicht können wir uns ganz gut wiederfinden in diesem Ruf und in dieser Sehnsucht des Volkes Israel? Wir stellen die Frage, wo denn Gott ist und warum er nicht endlich eingreift?
  • „Reiß doch den Himmel auf und komm herab.“ Müssen wir nicht ehrlich zugeben, dass dieser Ruf bis heute unerhört und unerfüllt geblieben ist? – Oder hat Gott den Himmel doch aufgerissen – jedoch anders als erwartet?  Wir Christen glauben an den aufgerissenen Himmel!  Gott hat den Himmel aufgerissen und ist herabgekommen. Jedoch nicht so, wie ihn die Menschen erwartet hätten. Nicht als großer Sieger und Supermann! Nicht als der, der auf den Tisch haut und sich von heute auf morgen durchsetzt… Nein, als kleines Kind ist er gekommen, als einfacher Mensch – Jesus – hat er sich hineingelegt in unsere Geschichte. Er hat unser Schicksal geteilt. Gott hat diesen einfachen und kleinen Weg gewählt, um uns seine Nähe zu zeigen. Deshalb dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott auch heute den Himmel aufreißt und – oft klein und unscheinbar – am Wirken ist: In unserer Welt, in unserer Kirche, in unserer Gemeinde, in unserer Kolpingsfamilie und auch in unserem persönlichen Leben. Vielleicht brauchen wir einfach mehr Vertrauen, um uns auch von Gott und seinen Wegen überraschen zu lassen?
  • Liebe Schwestern und Brüder, wir schauen heute zurück auf 90 Jahre Geschichte der Kolpingsfamilie in Gersthofen. Da ist zunächst der Name des Priesters Adolph Kolping, der von 1813-1865 lebte. Er war ein Mann, der mit beiden Beinen auf dem Boden seiner Zeit stand. Er war aber auch ein Christ, der fest verwurzelt gewesen ist in seinem Glauben an Gott. Er sah die Not und handelte. Adolph Kolping ist ein Beispiel dafür, dass Gott durch ganz konkrete Menschen den Himmel aufreißt und in unserer Welt handelt. Die Leute, die 1927 den Gesellenverein Gersthofen gegründet haben, ließen sich von diesem Beispiel inspirieren. Ich habe etwas die Geschichte gerade der Anfangszeit durchgeschaut und dabei viele Namen entdeckt, die in der Kolpingsfamilie von Gersthofen eine wichtige Rolle gespielt haben. Es sind die Namen von Menschen, die auch in den schweren Tagen des Nationalsozialismus zu ihrem Glauben und zu den Werten der Menschlichkeit gestanden sind. Es sind die Namen von Menschen, die das Dorf und die spätere Stadt Gersthofen geprägt haben. Menschen, die ihre unterschiedlichen Begabungen in die Bereiche der Politik und des gesellschaftlichen Lebens eingebracht haben und auch heute noch einbringen. Es sind schließlich die Namen von Menschen, die das Jahr mit seinen verschiedenen Festen mitprägen.  – bis hin zu den Aufführungen der KOL-LA. Dadurch wird auch deutlich, dass der offene Himmel zu unserem Glauben dazugehört. Gott lässt sich nicht einsperren im Himmel oder in einem Kirchengebäude. Er ist da und er wirkt hinein in alle Bereiche menschlichen Lebens. Gott macht auch vor dem Fasching nicht Halt! Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch von Herzen danken. Die Kolpingsfamilie Gersthofen trägt vieles in unserer Pfarreiengemeinschaft mit und leistet auch beim Pfarrfest so viele und wertvolle Dienste. Vergelt’s Gott dafür! Gleichzeitig danke ich aber auch allen, die sich besonders bei der Mitfeier der Gottesdienste und beim jährlichen Oasentag auf die Mitte unseres christlichen Lebens – auf die Begegnung mit dem Herrn – einlassen. Diese Freude am Herrn ist unsere Kraft!Unsere Welt lebt von so vielen Menschen, durch die Gott immer wieder seinen Himmel aufreißt und herabkommt. Dieser Glaube ist das Fundament von Kolping. Für diesen Glauben gibt es auch äußere Zeichen, wie das Kreuz auf der Mädelesgabel, das Kreuz auf dem Weg zum Auenhof oder die Kolpingskapelle an der Berliner Straße.
  • „90 Jahre Kolpingsfamilie Gersthofen und morgen…? So steht es auf der Einladung zu diesem Fest. Ich denke, dass die Kolpingsfamilie Gersthofen auch heute eine Gemeinschaft von vielen unterschiedlichen und lebendigen Menschen ist. In Ihnen und in Euch allen steckt so viel Potential an Glauben und Leben. Durch jede und jeden möchte Gott auch heute seinen Himmel aufreißen und wirken. Die Kolpingsfamilie Gersthofen ist eine ganz bunte Gemeinschaft, in der sich  himmlische und irdische Talente gegenseitig ergänzen und bereichern. Darin steckt viel Kraft für die Zukunft! „Reiß doch den Himmel auf und komm herab.“ Ein gewaltiges Wort. Adolph Kolping und sein Werk sind dafür bekannt, dass es nicht bei den Worten bleibt, dass vielmehr aus Worten Taten werden. Und wenn wir uns alle dafür zur Verfügung stellen mit all unseren Begabungen, dann können wir aus dem Fragezeichen ein Ausrufezeichen machen: „90 Jahre Kolpingsfamilie Gersthofen – und morgen geht’s weiter! Morgen geht’s weiter mit dem Segen Gottes und mit dem Einsatz so vieler Kolpingschwestern und Kolpingbrüder! Ihr selber seid viele lebendige Ausrufezeichen für die Zukunft von Kolping hier in unserer Pfarreiengemeinschaft und in unserer Stadt Gersthofen!Ich schließe mit den Worten aus dem Kolpinglied, das ja auch eine Antwort auf das Fragezeichen gibt: „Wenn wir alles geben und Zukunft bau’n, leben aus dem Glauben, weil wir vertraun, dann wird unser Wirken morgen noch besteh’n!  Amen – und Treu Kolping!

Pfarrer Ralf Gössl