Die Kolpingsfamilie Gersthofen wählt beim „Philosophischen Abend“ Karl Marx als Thema

Die Kolpingsfamilie Gersthofen wählt beim „Philosophischen Abend“ Karl Marx als Thema

Die Referentin Susanne Niemann betitelte den Abend mit dem durchaus provokant gemeinten Titel „Karl Marx hat Recht!“ Sie eröffnete mit einem Schlüsselsatz von Karl Marx:

„Erst, wenn der wirkliche individuelle Mensch in seinem empirischen Leben, in seiner individuellen Arbeit, in seinen individuellen Verhältnisseen, Gattungswesen geworden ist, erst, wenn der Mensch seine eigenen Kräfte als ‚gesellschaftliche Kräfte‘ erkennt und organisiert hat und daher die gesellschaftliche Kraft nicht mehr in der Gestalt der politischen Kraft von sich trennt, erst dann ist die menschliche Emanzipation vollbracht.“

Karl Marx war Philosoph, Ökonom, politischer Journalist, Vorkämpfer der Arbeiterbewegung und Kritiker des Kapitalismus und der Religion.
Geboren am 5. Mai 1818 in Trier wuchs Karl Marx mit acht Geschwistern auf. Seine Mutter erlebte er als wichtig im Alltag und im häuslichen Umfeld, damit es allen gut geht. Sein Vater war Rechtsanwalt. So studierte Karl Marx nach dem Abitur mit 17 Jahren ebenfalls Jura, in Bonn. Als er 1836 nach Berlin zieht, verfasst er eigene Gedichtsammlungen. Zunächst drückte sich seine poetische Veranlagung z. B. in Briefen an seinen Vater aus. Aus einem sehr respektvoll, distinguiert formulierten Brief an seinen Vater zur Kur nach Bad Ems aus 1837 las Susanne Niemann den aufmerksam lauschenden Kolping-Mitgliedern vor.

In Berlin trifft Marx auf Georg Hegel, der starken Einfluss auf das geistige Leben in Deutschland hat, und wird sein großer Bewunderer. Und dessen Gedanken will er in die Praxis umsetzen, die Philosophie praktisch verwirklichen. Mit dem entfernt verwandten Dichter Heinrich Heine trifft Karl Marx 1843 in Paris zusammen. In Bad Kreuznach heiratete er im Juni 1843 – Marx hatte bereits promoviert in Jena – Jenny von Westphalen aus großbürgerlicher Familie. Sieben Kinder hatten sie zusammen, jedoch kamen nur drei Mädchen über das Kindesalter hinaus.

„Marx holt sich nun seine politischen Vorstellungen bei Rousseau, nachdem er an Hegel Kritik übte“, informierte Niemann. Ein erster Entwurf eines ökonomischen Systems mit philosophischer Richtung sind die „ökonomisch-philosophischen Manuskripte“ aus dem Jahr 1844.

„Mal hatte er Geld, dann gab er es groß aus, dann war es wieder weg“, so Niemann. Zum Manifest der kommunistischen Partei stellte Susanne Niemann vorab Fragen an die Kolping-Mitglieder über Eigentum, Proletariat, Bourgeoisie, Kapitalist, Lohnarbeit. Oder: In welchem Verhältnis stehen Kommunisten zu Proletariern? Diese Zeit ist reif für Themen und Diskussionen zu Abschaffung des bürgerlichen Eigentumes; selbst erarbeitetes Eigentum; Lohnarbeit; Ausbeutung der arbeitenden Menschen. In dieser Umwälzung, sprich Arbeiter-Revolution kamen zehn Maßregeln in verschiedenen europäischen Ländern zur Anwendung wie zum Beispiel Enteignung, Abschaffung des Erbrechtes, gleicher Arbeitszwang für alle, öffentliche und unentgeltliche Erziehung aller Kinder, Abschaffung der Fabrikarbeit durch Kinder.

Susanne Niemann zitierte Marx aus einem Text von 1857 an Engels „ich arbeite wie toll die Nächte durch, damit ich wenigstens die Grundrisse im klaren habe.“ Damit meinte er den ersten Band von „Das Kapital“, erschienen 1867. Für die beiden folgenden Bände zieht Marx umfangreiches russisches und amerikanisches Material heran. Aus „Kampf zwischen Arbeiter und Maschine“ von „Das Kapital“ sprach Niemann über die damalige Situation von Mensch, Maschine, Arbeitsmitteln. Die Bände 2 und 3 brachte Friedrich Engels posthum 1885 und 1894 heraus.
In London stirbt Karl Marx am 14. März 1883 nach vielen Jahren im dortigen Exil.
Die Post brachte 1968 eine Marx-Briefmarke heraus. Zahlreiche Büsten, Denkmale sind zu bestaunen. Außerdem gibt es eine stattliche Zahl an Büchern.
Angeregt tauschten sich die Kolpings-Mitglieder zu Themen wie Arbeit, Wert der Arbeit, Zeitarbeit, Maschinisierung, Digitalisierung, Wegfall von Berufen, neue Berufe, Gleichberechtigung und gleiche Bezahlung aus.
Großer Applaus an Susanne Niemann! Stefan Fischer vom Vorstand der Kolpingsfamilie Gersthofen bedankte sich sehr und Gastgeber Gabriele und Andreas Hillebrand kredenzten Gemüsesuppe und Mohnstrudel von Kolpingsschwester Monika Matthiessen. Ein genussvoller Abend, in jeder Hinsicht!

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