Mit Leib und Seele aufatmen

Mit Leib und Seele aufatmen

Meine persönliche Bibel

Die Corona-Krise hat dazu geführt, dass über eine längere Zeit keine öffentlichen Gottesdienste stattfinden konnten. Viele sind dabei ganz kreativ geworden, daheim Hausgottesdienste und Gebetszeiten zu gestalten. Dafür gibt es auch viele digitale Impulse sowie Vorschläge für Hausgottesdienste, die wir in unseren Kirchen ausgelegt haben. Persönliche Gebetszeiten sind sehr wohltuend und schenken uns wieder neue Kraft für unseren Alltag. Folgende Schritte können dabei eine Hilfe sein:

  • Ich finde eine Zeit, die für mich gut ist (der frühe Morgen, eine Pause am Mittag oder der Abend)
  • Ich finde einen Ort, der mich zum Gebet einlädt (ein ruhiges Zimmer, meine Bettkante, der Balkon, der Garten)
  • Eine Art „Gebetsecke“ oder, wie man früher gerne sagte, ein „Herrgottswinkel“ (mit einem Kreuz, einer Ikone, einer Kerze, Blumen) können hilfreich sein
  • Ich finde eine Körperhaltung, die mir gut tut (sitzen, knien, liegen, stehen, gehen)
  • Ich schaue darauf, dass ich nicht abgelenkt werde (Handy weglegen, evtl. Absprache mit Mitbewohnern)
  • Ich kann mich auch auf den Weg machen in die Stille einer Kirche oder durch die Natur

Bei allem darf ich daran denken, dass ich beim Beten vor Gott keine Leistung erbringen muss. Ich darf bei ihm eine Pause einlegen und aufatmen. Theresa von Avila sagt einmal, dass das Beten wie ein Zusammensein mit einem guten Freund ist. Und Ignatius von Loyola betont, dass wir Gott in allen Dingen suchen und finden können. Gebet kann sehr vielfältig sein. Es soll dem Menschen an Leib und Seele gut tun. Beten kann in vielen Formen geschehen und ich darf dabei nach der Art des Betens suchen, die mich selber besonders anspricht:

  • Schweigend da sein vor Gott, den Atem kommen und gehen lassen
  • In der Stille horchen und lauschen
  • Die Natur betrachten und in ihr Gottes Spuren entdecken
  • Ein Bild auf mich wirken lassen
  • Beim Musizieren oder beim Hören von Musik
  • Nachdenken über das eigene Leben
  • Zu Gott sprechen, wie mir „der Schnabel gewachsen“ ist (loben, danken, bitten, jammern, klagen)
  • Die alten und doch so aktuellen Glaubensgeschichten der Bibel lesen
  • Mit Hilfe alter und neuer Gebetstexte vor dem Herrn da sein
  • Ein Bild malen
  • Einen Text schreiben

Zeiten des Betens können zu Zeiten des Aufatmens bei Gott werden, bei denen wir neue Kraft schöpfen, um auch wieder besser für unsere Mitmenschen da zu sein.

Pfarrer Ralf Gössl

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